Ob man nun ein Haus baut oder einfach nur eine neue Mietwohnung bezieht immer – überall im Gebäudesektor wird man mit ihr konfrontiert – der Energieeinsparverordnung (kurz EnEV). Die meisten Menschen kennen die EnEV jedoch nur durch die sogenannten Energiebedarfs- und Energieverbrauchsausweise. Was die Verordnung aber alles ausmacht und was ihr Ziel ist, wird in der Regel nicht wirklich wahrgenommen. Die Verordnung leistet allerdings einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Erreichung der von der Bundesregierung gesetzten Klimaziele. Sie schreibt die energetische Qualität von Neubauten und von Modernisierungsvorhaben vor. Und damit den verbunden Energiebedarf und den CO2-Ausstoß den heutige Wohngebäude aber auch gewerblich genutzte Gebäude haben dürfen. Diese Vorgaben bedeuten im Detail: Es existieren Höchstwerte bezogen auf den energetischen Bedarf und auf den Verlust an Wärmeenergie, der durch die Gebäudehülle maximal entweichen darf.

Was wird alles in der EnEV reglementiert?

In der EnEV wird ein Gebäude als ganzheitliches Energiesystem betrachtet. Neben der bereits angesprochenen Anlagentechnik und der energetischen Qualität der Gebäudehülle, bewertet die EnEV auch die anfallenden Wärmegewinne. Diese enstehen infolge innerer Wärmequellen wie Heizung oder auch durch Sonneneinstrahlung durch Fensterflächen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Lüftungskonzept des Gebäudes, denn mit immer besser werdender Qualität des Gebäudes und der damit verbundenen Dichtheit, ist die Lüftung „von Hand“ nicht immer ausreichend. Das heißt konkret: Je besser ein Gebäude gedämmt ist, um so luftdichter ist es und um so geringer ist auch mein Energiebedarf. Der Lüftungsanteil für Feuchteschutz und zur Gewährleistung der hygienischen und gesundheitlichen Erfordernisse muss aber sichergestellt werden. Weitere Bereiche der EnEV befassen sich zudem mit der Gebäudebeleuchtung, Kühlung und der Energiesteuerung.

Kann die EnEV einen Teil zur Energiewende beitragen?

Ja, denn wenn man sich die nebengestellte Grafik anschaut ist ersichtlich wie die Energieverbrauchssituation eines durchschnittlichen deutschen Haushaltes aussieht. Betrachtet man alleine die Bereiche für Warmwasser und Heizung wird schnell klar, dass hier mit zusammengenommen 88% das größte Potential Energie und gleichzeitig CO2 einzusparen liegt. Besonders im Bereich der Gebäudebeheizung sind so im Zusammenspiel mit besserer Dämmung und darauf abgestimmter Heiztechnik erhebliche Einsparungen möglich. Die energetische Qualität der Gebäude wird stetig besser. Mit den Gebäudeanforderungen kann der Energieverbrauch und daran gekoppelt auch die CO2 Emissionen stark reduziert werden. Dies schont, betrachten man die Energiepreisentwicklung der letzten Jahre, langfristig den eigenen Geldbeutel.

Ein weiterer wichtiger ökologischer Aspekt ist die Verbindung der EnEV mit dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Diese Verordnung schreibt gerade für den Neubau vor, dass mindestens 15 % der Heizenergieversorgung durch regenerative Energien erzeugt werden muss.

 

Warum bewerte ich mein Gebäude nach dem Primärenergiebedarf?

Eine echte Bewertung des Energieverbrauchs unter ökologischen Gesichtspunkten kann nur dann erfolgen, wenn auch die Erzeugung der Brennstoffe mit Berücksichtigt wird. In der nebengestellten Grafik wird schnell deutlich, dass es

zwischen den einzelnen Wärmeerzeugern deutliche Unterschiede existieren. So hat beispielsweise eine Stromheizung, wie zum Beispiel ein Nachtspeicherofen, einen Primärenergiefaktor von 2,6. Das bedeutet, dass für 100 % abgegebener Energie im Gebäude in Form von Wärme etwa 260 % als Energie im Kraftwerk aufgewendet werden müssen. Das heißt genauer: Der Wirkungsgrad liegt bei nur etwa 40 %. Der Rest sind Verluste.

Auch für die anderen Energieträger wurden solche Faktoren eingeführt:

  • Heizöl 1,1
  • Erdgas 1,1
  • Strom 2,6
  • Holz 0,2
  • Steinkohle 1,1
  • Braunkohle 1,2

 

Wie wird sich die Energieeinsparverordnung entwickeln?

Davon ausgehend, dass die Klimaziele der Bundesregierung fest vereinbart sind, kann davon ausgegangen werden, dass die Standards im Gebäudebereich immer höher werden. Damit verbunden wird sich die EnEV auch noch weiteren Novellierungen unterziehen. Der nächste Schritt der Veränderung steht bereits in diesem Jahr für den 1. Mai an. Ab diesem Stichtag gelten die neuen Anforderungen der EnEV 2014. Konkret heißt das im ersten Schritt, dass die Informationspflicht über die energetische Qualität der Gebäude angepasst wird. Ein Beispiel: Wird ein neues Gebäude Anounciert, so muss auch die Qualität des Gebäudes dargestellt werden. Dies führt dann zwangsläufig auch zu einer größeren Durchschaubarkeit beim Endverwender.

Im nächsten Schritt der Novellierung der EnEV 2014 steht am 01. Januar 2016 an. Zu diesem Datum werden zusätzlich zu den bisherigen Änderungen noch die qualitativen Anforderungen an die Gebäudehülle und die Anlagentechnik verschärft.

Was sich im Detail für einen Hausbesitzer durch die Novellierung der EnEV ändern wird und wo die Unterschiede zwischen Energiebedarfs- und Energieverbrauchsausweisen liegen, finden Sie in den kommenden Wochen hier im Innovationsblog.

 

Mit freundlicher Genehmigung von Viessmann Innovations Blog